Seit vielen Jahren findet an der Waldorfschule Überlingen ein reger Austausch mit englischsprachigen Schulen weltweit statt. Bereits eine große Anzahl unserer Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klassen durften mehrere Monate lang die Gastfreundschaft in den USA, in Australien, in Neuseeland, Kanada, Südafrika und Großbritannien erfahren, und diese einmalige Chance nutzen, um ihre Englischkenntnisse zu verbessern und andere Kulturkreise kennenzulernen. Ein Auslandsaufenthalt bleibt damit für jeden Einzelnen ein unvergessenes und wertvolles Erlebnis und trägt nicht nur zu mehr Sprachkompetenz, sondern auch sehr positiv zur Persönlichkeitsentwicklung bei.
Am 3. Oktober 2015 irgendwann vormittags, war ich plötzlich alleine, in einem Flughafen, das aller erste Mal. Um die 14 Stunden später, war ich immer noch alleine, und wieder an einem Flughafen, fast zehn tausend Kilometer weiter westlich, in Los Angeles. Doch schon kurz darauf wurde ich von einer sehr freundlichen Familie in Empfang genommen, und das eigentliche Abenteuer begann…
Es ist unmöglich hier, oder auch irgendwo anders sämtliche Erlebnisse und Bereicherungen zu schildern, die mir dieser Schüleraustausch brachte. Ich habe Los Angeles erlebt, ich habe eine ganz andere Art von Schule erlebt, neue Menschen kennen gelernt, usw. Doch was die für mich allergrößte Bereicherung war, ist dass ich mich selber kennen lernte. Fühlte ich mich vor diesem Austausch noch häufig gestresst von den Schulischen Anforderungen, hatte ich vorher noch häufig das Gefühl der Langeweile, ließ ich mich vorher noch häufig von Handyspielen oder Youtube ablenken, so weiß ich jetzt was Zeit bedeutet, ich kann heute mit Stolz sagen, dass ich fast nie in die Situation kam, nichts besseres zu tun zu haben, als mich dahin hinab zu lassen, wo ich ein Handy brauchte um nicht gelangweilt zu sein. Auch habe ich mich einfach nicht stressen lassen von der Schule, denn schließlich bin ich Herr über mein Leben. Ich fühle mich einfach besser, dies ist es, was im Nachhinein, der allergrößte Effekt dieses Aufenthalts ist.
Doch nun wieder zu dem, was ich direkt vor Ort in Los Angeles erlebt habe. Ich als Junge vom Land, nun plötzlich in eine riesige Stadt verlegt, war fast zu jeder Zeit überwältigt, da es einfach immer etwas gab, was ich so noch nicht kannte. Riesige Massen von Autos, standen sehr weit vorne auf der Liste, was mich als erstes Beeindruckte, doch leider waren es auch riesige Massen Stau, riesige Straßen, manchmal auch riesige Häuser, doch gleich daneben sehr heruntergekommene. Riesige Autos, direkt neben rostigen Karren. Immense Einkaufszentren, und auch kleine dreckige Läden an der nächsten Ecke. Es gab einfach so vieles, was es hier in Deutschland nicht gibt. Doch um mich selbst nicht verloren habe, kann ich wohl einem recht einfachem Werkzeug danken, meiner Kamera.
Bevor ich in den USA war, hatte ich mit Fotografie nicht viel am Hut, doch da ich kurz bevor ich nach LA geflogen bin, mir eine DSLR gekauft habe, habe ich dort, zum einen als Mittel gegen die Langeweile, zum anderen um möglichst viele Eindrücke festzuhalten, und mir stets Erinnerungen zu bewahren, angefangen, nicht nur Fotos zu knipsen, sondern auch Bilder zu machen. Entstanden sind auch, meiner Meinung nach sehr gute Bilder, die mich in Zukunft nicht nur an die Stadt und spezielle Erlebnisse, sondern auch an Gefühle erinnern werden. Auch erwecken diese Bilder, jedes Mal wenn ich sie anschaue, Fernweh, sie ziehen mich hin nach Los Angeles, sodass ich diesen einen großen Wunsch habe, noch einmal nach Los Angeles und zu der Familie in der ich lebte zu gehen.